März 28, 2019

Think!First: eine Retrospektive

Think!First: eine Retrospektive

Die Bedeutung des Online-Handels nimmt national und international weiterhin zu und wird im Jahr 2020 ein Marktvolumen von 354 Milliarden Euro erreichen (Bekleidungssektor). Der rasante Anstieg des Paketvolumens, aber auch die hohe Anzahl von Retouren, die bis zu 50% der Lieferungen ausmachen, stellen angesichts von Klimawandel, Luftverschmutzung und Verkehrsregelung neue Herausforderungen dar (EHI Retail Institute 2015; Kristensen K. et al. 2013). Frühere Initiativen zielen auf die Elektrifizierung von Lieferwagen oder die Bereitstellung zentraler Sammelstellen ab, nutzen aber nicht den größten Hebel: die menschliche Entscheidungsfindung. Gefragt sind innovative Ansätze, die den Handlungsspielraum für Kunden erweitern und ein nachhaltigeres Einkaufserlebnis hervorheben.
Im Rahmen von Think!First wurde daher ein modulares Framework im Sinne eines "Level-ups" für Webshops konzipiert, entwickelt und bewertet. Mit Hilfe von Gamification, persuasiven Designprinzipien und maschinellen Lernalgorithmen wurden die NutzerInnen unseres Testshops ermutigt, sich beim Kauf von Online-Waren zielorientierter und nachhaltiger zu verhalten. Der ökologische Fußabdruck der KundInnen wurde durch umweltfreundliche Transportoptionen, die Förderung von Gruppenbestellungen, die Vorauswahl längerer Lieferzeiten, kollaborative Quests, gamifizierte Kommentare sowie angepasste Größentabellen verbessert. Mit diesem präventiven Ansatz sollte vor dem Hintergrund des anhaltenden E-Commerce-Booms und der damit verbundenen Zunahme des Güterverkehrs mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Umwelt ein wichtiger Beitrag geleistet werden.
Um den Impact unseres Frameworks zu messen, haben wir einen bundesweiten Feldtest in Kooperation mit Grüne Erde durchgeführt, der zeigte, dass signifikante quantitative Veränderungen im Wissen über nachhaltige Einkaufsentscheidungen sowie eine Reduktion der Retouren erreicht werden konnten. Qualitative Experteninterviews zeigten, dass sich Online-Händler vorstellen können, kundenorientierte Think!First-Strategien im eigenen Shop trotz zunehmendem Wettbewerb und der konstanten Anforderung einer hohen Kundenzufriedenheit umzusetzen. Im Rückblick kann Think!First als entscheidender erster Schritt zur Verbesserung des E-Commerce-Sektors auf ökologischer, technologischer und verhaltensorientierter Ebene gesehen werden.